Der Salon beruft sich auf seine historischen Wurzeln des späten 18.Jahrhunderts und haucht in Zeiten des den Menschen immer stärker vereinnahmenden Medienwahnsinns eine neue bürgerliche Öffentlichkeit ein.

Wo heute Couch und Monitor stehen, war früher das Wohnzimmer. Und was früher das Wohnzimmer war, war damals der Salon. Dieser, heutzutage meist ungenutzte Raum einer Wohnung, wurde früher zu Unterhaltungszwecken genutzt. Na gut, Binge Watching ist auch Unterhaltung, aber ist nicht vergleichbar mit der Zeit, die man mit netten Menschen, bei Livemusik, stundenlangen Gesprächen und gutem Essen verbringt.

Dieses Zimmer ist ein kulturelles Relikt einer Zeit, in der die Bürgerlichkeit noch nicht mit dem Mittelstand und der Arbeiterschicht verschmolzen war. Also: vor der Industrialisierung. Es ist komfortabler als ein Lagerfeuer und zumeist größer als eine Küche. Es ist kein Öffentlicher Raum, aber dennoch Raum für Öffentlichkeit. Er ist nahe am alltäglichen Leben, aber steht dennoch als etwas Besonderes darüber. Im Wohnzimmer streitet man nur noch mit seiner nervtötenden Verwandtschaft, im Salon verbringt man gepflegt Zeit mit interessanten Menschen, die man sich selber aussucht. Der Salon hat eine Kultur, ist aber keine Kulturveranstaltung. Er ist eine Bühne, auf der man sich inszenieren kann. Hier wird aus der Verkäuferin eine Künstlerin und aus dem Büroangestellten, ein Schriftsteller.

Art, Inhalt und Flair eines Salons sind stark abhängig von der Gastgeberin und von den Gästen, den Salonièren.

Bevor ihr jetzt gleich loslauft und bei Wish ein viktorianisches Kleid oder einen Zylinder bestellt, versucht euch zuerst auf andere Weise „salonfähig“ zu machen. Denn um Salon-Reeanctment zu betreiben, bedarf es keiner Investitionen:

  • Stellt alles alltägliche hinten an und holt stattdessen eure Interessen in den Vordergrund.
  • Sprecht über alles, für das ihr im Alltag keine Zeit habt. Präsentiert euch, gebt euch aber zurückhaltend.
  • Gestaltet eure Gespräche so, dass ihr nicht auf Inhalte aus dem Internet angewiesen seid.
  • Kommuniziert bewusst (ein wenig „Damensprache“, wie Immanuel Kant es nannte, schadet nicht) und gebt euch offen.
  • Kleidet euch angemessen. Die Gastgeberin hat dabei Vorbildfunktion.
  • Schenkt der Dame des Hauses besondere Aufmerksamkeit.
  • Gebt nach dem Salon ein persönliches (schriftliches) Feedback. Dies ist auch der Weg um eventuelle Beiträge deinerseits vorzuschlagen, sofern du das nicht bei der Gastgeberin persönlich tust.

Weiterverbreitung und Nachmachen erwünscht!

Creative Commons Lizenzvertrag
Mach einen Salon von JamesVermont ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
Beruht auf dem Werk unter https://nebeltrommel.at/termine/blog/6-salon.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie unter https://www.jamesvermont.at erhalten.

Quellen


Weitere Termine

Sommer Salon
27.07.2018 16:00

Newsletter

Unser Newsletter ist kostenlos und jederzeit kündbar!

Neuigkeiten